Rezension: Doris Wolf: Es reicht – 5000 Jahre Patriarchat sind genug

Rezension: Doris Wolf: Es reicht – 5000 Jahre Patriarchat sind genug

Das Priarchat: die Wurzel allen Übels


Das neuste Buch von Doris Wolf ist – wie bereits schon ihre vorangegangenen – ein aufrüttelndes Buch bezüglich der Aufdeckung patriarchaler Machenschaften in den Wissenschaften, den monotheistischen Religionen, der Verherrlichung von Kriegen, des weltweiten Imperialismus und der Ausbeutung, Unterjochung und Versklavung sowie der Ausrottung ganzer Völker.
Bis heute wird die gängige durch Altertumswissenschaften – wie etwa der Archäologie oder Ägyptologie – vertretene Meinung propagiert, dass es schon immer – seit Menschen existieren – Kriege gegeben hat und dass der Krieg scheinbar von Natur aus zum menschlichen Dasein gehört. Doris Wolf beweist durch viele angeführte Studien und Untersuchungen, dass sich das Neolitikum keineswegs als von der patrizentrischen Wissenschaft propagierte „Jäger- und Sammlerkultur“, sondern als eine friedliche matriarchale Ordnung nachweisen lässt. Eine Ordnung, in der das Leben spendende Mütterliche und Fürsorgliche im Vordergrund menschlichen Zusammenlebens stand und Frauen und Männer in gleicher Weise geachtet wurden. Einhergehend mit der Erfahrung, dass neues Leben von Müttern hervorgebracht wird, ehrten und achteten die Menschen der vorgeschichtlichen Zeit die große Urahnin, die alles Leben hervorgebracht hat und hervorbringt: Mutter Erde (wie wir unseren derzeit sehr gefährdeten Planeten heute immer noch nennen!). Symbole für diese heilige Mutter wurden weltweit gefunden und von der patriarchalischen Wissenschaft als „Pfeile“ gedeutet (vergl: Doris Wolf: Das wunderbare Vermächtnis der Steinzeit).
Auch das patrizentrische Vorurteil gegenüber den steinzeitlichen Kulturen, dass sie unkultiviert und chaotisch waren, widerlegt Wolf. So geht sie etwa auf die schöpferischen Qualitäten ein, die sich vor der patriarchalischen Machtübernahme durch indoeuropäische Horden in jenen matrilinearen Kulturen nachweisen lassen, so etwa in der Keramik oder den Höhlenmalereien. Auch die sensationellen Kenntnisse in der Heilkunde, etwa in der Gynäkologie oder im Verständnis davon, inwiefern bestimmte körperliche Geschehnisse vom Gehirn gesteuert werden, benennt sie und belegt damit einen nicht geahnten Fortschritt in wissenschaftlicher Hinsicht.
Es ist ein Buch, das alle diejenigen interessieren wird, die selbst zu denken und selbst wahrzunehmen bereit sind und sich nicht auf die gegebenen und in der Regel bewusst von „Oben“ gesteuerten Medieninformationen und gewisse „Bestseller“ verlassen möchten. Es ist kein „schönes“ Buch, durchaus nicht! Es ist durch die vielen Informationen und Beispiele, insbesondere bezüglich sexueller Gewalt, beispielsweise der männliche Vorhautbeschneidung, die in den monotheistischen Religionen des Judentums und des Islam bis heute durchgeführt wird und den Genitalverstümmelungen bei Mädchen (die auch heute noch als „Pharaonische Beschneidung“ bezeichnet und immer noch in etlichen Ländern durchgeführt werden) ein insgesamt grausamer Bericht. Diese Verstümmelungen wurden von den patriarchalischen Machthabern, die Ägypten und Mesopotamien vor 5000 Jahren überfielen, eingeführt und haben immer noch Bestand! Menschen – Kinder – die solchen barbarischen Verstümmelungen ausgesetzt werden, haben jegliches Vertrauen zu ihren engsten Mitmenschen, ihren Müttern und Vätern verloren. Nur grausam und unmenschlich! Die psychischen und körperlichen Folgen für die so verstümmelten Mädchen und Jungen bzw. Frauen und Männer sind den meisten Menschen gar nicht bekannt.
Sehr einleuchtend und in meiner eigenen Arbeit mit Menschen immer wieder präsent sind Wolfs Hinweise darauf, wie sich Traumatisierungen durch Krieg, Verstümmelungen und Vergewaltigungen noch nach Generationen als traumatische Folgen im Bewusstsein der Nachkommen aufzeigen lassen. Wolf macht darauf aufmerksam, dass wir die Geschichte der Menschheit in uns tragen, keine Frage, sondern eine Feststellung, die in jedem einzelnen Bewusstsein eines Menschen nachprüfbar und beweisbar ist.
Für Hochsensible empfehlen sich gewisse Pausen bei der Lektüre dieses außerordentlichen Buches. Aber gerade für diese scheint es mir absolut wichtig.

Marina Stachowiak, Institut für integrale Bewusstseinsbildung, Reinheim bei Darmstadt. Autorin von u.a.: Non est deus. Der Narr und das Ich. Über das syphilitische Bewusstsein der Neuzeit (2018) und : temporik-art. Die schöpferische Bewusstseinsgestaltung vor dem Hintergrund der integralen Theorie Jean Gebsers (2017)