Archiv für den Autor: Andreas

Nehmen was da ist – Ein Koch- und Geschichtenbuch über Synergetik Therapie (Band I)

Nehmen was da ist BuchStachowiak, Marina

Nehmen was da ist.

Ein  Koch- und Geschichtenbuch über Synergetik Therapie (Band I)

Bernd Joschko Verlag Bischoffen-Roßbach 2005

ISBN 3-938798-00-9

Paperback 120 Seiten

8,95 Euro

Hier bestellen: marinastachowiak@aol.com

Nehmen was da ist, ist das einfache Prinzip der Synergetik Therapie, einer neuen und sensationellen Selbstheilungsmethode. Es ist das erste Buch über Synergetik Therapie. Marina Stachowiak ist es gelungen, diese weltweit einzigartige Methode, die auf den Gesetzmäßigkeiten der Selbstorganisation aller lebender Systeme beruht, auf eingängige Weise zu beschreiben.

Kein Sachbuch in gewohntem Sinne, sondern emotional berührend, humorvoll, kurzweilig und spannend bis zur letzten Seite.

nachfolgend ein Textauszug Buch S. 83-85

In der Innenwelt
SIE: Wie schön, dass du endlich da bist. Ich habe schon so lange auf dich gewartet.

Ich: DU hast auf mich gewartet?

SIE: Ich bin deine Innere Frau. Wir haben sehr viel gemeinsam.

Ich konnte mir nicht vorstellen, was ich mit dieser wunderbaren Frau gemeinsam haben sollte. Aber SIE reichte mir einfach IHRE Hand und nahm mich mit sich fort. Eine Weile gingen wir am Strand entlang. Wir waren beide barfuß und ich sah zum ersten Mal IHRE schönen Füße. Makellos, jeder Nagel ein Juwel. Und meine? Ok, wir wollen jetzt nicht von meinen Füßen sprechen.

Ein schmaler Pfad führte uns vom Strand weg in Richtung Urwald. Wir stiegen leicht nach oben, vorbei an allerlei Gebüsch, in dem sich bunte Vögel und Schmetterlinge tummelten. Riesige mohnrote Blüten, denen ein Duft entströmte, den ich vorher noch nie gerochen hatte, benebelten meine Sinne. Ich hatte das Gefühl, zu schweben. Irgendwie kam ich mir vor, als sei ich über alle Maßen verliebt. Verstohlen warf ich einen Blick zur Seite. Und dann sah ich es zum ersten Mal: Dieses atemberaubende Lächeln, dass nur SIE so lächeln kann, und das ich von nun an noch oft sehen sollte.

Sie führte mich in IHRE Welt, von der ich Ihnen ja schon berichtet habe. Bei meinem ersten Besuch sah ich, wie groß und weit hier alles war. Allein der Garten! Es gab keine Zäune, nirgendwo war ein Ende zu sehen und ich fragte SIE, wie viel Hektar Land das denn seien.

SIE: Oh, ich fürchte, dieses Land hat noch niemand gemessen. Wir kennen hier keine Maßstäbe. Hier ist alles grenzenlos.

Ich: Aber irgendwo muss es doch aufhören.

SIE: Wozu?

Ich: Weil doch alles einen Anfang und ein Ende hat.

SIE: So?

Ich merkte, dass SIE damit überhaupt nichts anfangen konnte. Merkte, dass ich hier in einer anderen Welt war, in der andere Dinge wichtig sind. Ich war in der Anderswelt.

SIE schien meine Gedanken zu erraten, denn SIE führte mich vor einen großen Spiegel, in dem ich mich ganz sehen konnte. Zunächst sah ich das, was ich in jedem ixbeliebigen Spiegel in der Welt da draußen auch hätte sehen können: Eine Frau Ende vierzig mit kurzen blonden Haaren, die bereits reichlich mit aschgrauen Fäden durchzogen waren, eine Brille über den vertrauten Zügen, den Falten und Schlupflidern über den Augen, die durchfurchte Stirn. Die Beine steckten in orangefarbenen Jeans und darüber trug ich die grüne Seidenbluse, die ich mir im Atelier Form und Farbe in Reichelsheim von Ulrike Happel hatte nähen lassen. Kurz: Ich sah mein äußeres Erscheinungsbild in ganzer epischer Breite.

Aber dann bewegte sich der Spiegel, als sei seine Oberfläche eine Schicht aus Wasser. Wellen kringelten sich und flossen darüber. Mein Gesicht, meine Gestalt verschwammen und es war wie ein Film im Zeitraffer nach rückwärts, so dass ich immer jünger wurde, mich schließlich als Jugendliche, dann als Kind und schließlich als Säugling sah, bis alles auf einen Punkt zusammenschrumpfte und ich für einen Augenblick begriff, wer ich wirklich war. Es war der Augenblick, in dem alle Bilder, die ich von mir gesehen hatte, übereinander geschachtelt und vollkommen durchsichtig in einem einzigen Bild verschwammen.

Mein Herz stand still und ich fühlte in diesem Augenblick, dass ich mit allem eins war, dass ich Alles war und Alles sich in diesem einzigen Punkt verdichtete.

Ich weinte haltlos und SIE nahm mich in IHRE Arme. War das das Glück? War das die Erleuchtung, von der die Weisheitslehren der Völker berichten? Ich wusste es nicht. Wozu auch?

Ich nahm nun alles ganz intensiv wahr: Die Pflanzen, die Früchte und die vielen Blüten. Ich sog ihren atemberaubenden Duft in mich hinein, spürte den warmen Wind auf meiner Haut und ich fragte mich, wie lange es wohl schon her war, dass ich dies alles gespürt und empfunden hatte. Ein unglaubliches Glücksgefühl breitete sich in mir aus und ich konnte mein Herz fühlen, so weit und grenzenlos wie dieser Garten.

Es war, als ob dies alles plötzlich lebte, als ob in jedem Gewächs, in jedem Schmetterling und jedem Vogel, in jedem Stein eine Seele sei, die zu mir sprach.

War ich die Gewächse? War ich die Vögel und Schmetterlinge und Steine? Oder waren die Pflanzen Ich? Waren die Tiere und Steine ich? War am Ende dieser ganze Garten ich oder war ich der Garten?

Ich wusste es nicht. Wozu auch. Ich lebte, und ich begriff plötzlich, was das ist: Leben!

Es ist diese unglaubliche Intensität, das Gefühl, ja das Wissen darum, dass dies alles Eins ist.

Wahre Schönheit kommt von innen – Bewusstsein und Tiefe im Synergetischen Heilen (Band II)

Wahre Schönheit BuchStachowiak, Marina

Wahre Schönheit kommt von innen

Bewusstsein und Tiefe im Synergetischen Heilen (Band II)

Paperback, 200 Seiten

Bernd Joschko Verlag Bischoffen-Rossbach 2006

14,50 Eur

Hier bestellen:

marinastachowiakaol.com

Ist es möglich, sich selbst zu heilen, und damit auch heilenden Einfluss auf das kollektive Ganze der Menschheit zu nehmen? Haben wir Einfluss auf historische Ereignisse, und sind wir in der Lage, durch Synergetisches Heilen nicht nur die eigene, sondern auch die Geschichte unserer Vorfahren zu transformieren?

Im zweiten Band über Synergetisches Heilen geht Marina Stachowiak diesen Fragen aus der Perspektive eines sich momentan vollziehenden Bewusstseinswandel nach, der nach dem Philosophen Jean Gebser in ein höheres, ein integrales Bewusstsein führt, welches sämtliche evolutionär entstandenen Bewusstseinsstufen der geistigen Entfaltung des Menschen umfängt und transparent werden lässt. Aus diesem neuen Bewusstsein heraus gewinnt auch die Zeit einen anderen Charakter, indem sie als Qualität und Intensität wahrgenommen werden kann.

Die Leserinnen und Leser erwartet eine emotional berührende und spannende Reise durch die Innenwelt, auf der die ganzheitlichen und spirituellen Aspekte des Synergetischen Heilens durchsichtig werden.

Eine Lektüre, die unweigerlich zur eigenen Sinnfrage führt.

nachfolgend ein Textauszug (S. 86):

Liebe Leserin, ich soll Ihnen jetzt also erzählen, wie ich den See der Enttäuschungen entdeckte. Genau genommen habe ich ihn eigentlich gar nicht entdeckt, denn es war Pluto, die mich dorthin führte. Pluto ist – wie Merlin oder die Alte – eine meiner inneren Instanzen. Aber weil innere Instanzen auch immer persönlich gefärbt sind, so hat natürlich Pluto auch einen ganz persönlichen Bezug zu mir. Sie hat nämlich einen ganz konkreten Bezug zu meinem Horoskop.

In meinem Horoskop nimmt Pluto eine wichtige Position ein, denn dort ist dieser Planet der Herrscher meines Aszendenten, des Skorpions. In meiner Innenwelt begegnete ich Pluto zum ersten Mal in einer Gruppenreise während der Berufsausbildung im Synergetik Institut. Und seitdem weiß ich, dass Pluto weiblich ist. Jedenfalls meine Pluto ist es. Sie ist die unnachgiebige Mutter der Verwandlung, die sich nicht darum schert, ob es mir gerade passt oder nicht. Sie pfeift auf mein Ego, pfeift auf meine kurzsichtigen Wünsche und Bedürfnisse. Sie pfeift auch auf meine Ängste, Anhaftungen und Minderwertigkeitsgefühle, denn sie ist frei von Emotionen und nicht im Personalen verhaftet. Pluto steht darüber, so wie auch andere innere Instanzen darüber stehen, aber bei Pluto ist dieser Charakter durch die astrologische Bedeutung für mich natürlich um einiges schärfer.

Sie gibt vor, was zu tun ist, ohne emotional beteiligt zu sein und ohne zu werten. Ihr geht es um mehr als nur um das Einzelne, und diesem Mehr gilt es, sich zu beugen. Sie ist die ultimative Transformation, und die geht tief!

Bis zu dem Augenblick, als mich Pluto zum ersten Mal an diesen See führte, hatte ich keine Ahnung von seiner Existenz. Zunächst war ich überwältigt von seiner Größe. Es schien mir fast ein Meer zu sein. Aber als ich mich näher umsah, stellte ich fest, dass sein Wasser völlig trübe war. Es war grau und an manchen Stellen verschleimt. Um ehrlich zu sein: Dieser See sah richtig krank aus. Es war ein trostloser Ort, den Pluto mir da zeigte und ich sah mich um in der Gegend um den See. Es gab keine Tiere und die Pflanzen, die hier nur sehr spärlich wuchsen, waren vertrocknet. Je mehr ich mich umsah, desto mehr musste ich erkennen, dass dies ein toter See in einer toten Landschaft war!

Ich war erschüttert und Pluto zeigte mit einer weit ausholenden Gebärde zum fernen Ufer auf der anderen Seite des Sees. Und indem ich ihrer ausgestreckten schwarzen Hand folgte, rückte das Ufer so nah an uns heran, als sähe ich durch ein Fernglas. Was sich mir dort bot, war das krasse Gegenteil von dem, was hier war: Stand ich mit Pluto auf der Todesseite des Sees, so sah ich da drüben das pulsierende Leben: Üppige Vegetation mit bunten Vögeln und allerlei Tieren, wunderschöne rotgoldene Felsen, die in der Sonne glitzerten, bunte Farben im hellen Licht. Ich war auf das Tiefste beeindruckt.

Pluto: Sieh! Das ist die Seite des Sees, die du bereits gereinigt hast und die du von Ballast befreit hast im Laufe der Jahre. Nun aber stehst du hier, auf der Todesseite des Sees und hast zu tun.

Ich hatte nur einen kurzen Blick auf die andere Seite erhaschen können, aber indem ich der Schönheit dieser Landschaft gewahr worden war, durchströmte mich ein intensives Gefühl des Einsseins. Als sie nun anfing zu sprechen, überkam mich das Gefühl von Sinnlosigkeit, das ich aus meinem Leben nur allzu gut kannte, und es breitete sich eine grenzenlose Einsamkeit in mir aus. Hier stand ich, auf der anderen Seite alles dessen, was so lebendig und schön war. Mit einem Mal war alle Freude aus mir gewichen und ich starrte in das verschmutzte tote Wasser, das da vor mir war.

Ich: Was ist das für ein See, was ist das für ein trostloser Ort, an den du mich geführt hast?

Pluto: Es ist der Ort der Enttäuschungen. Es ist der Ort des Anhaftens und der Unfreiheit. Schau ihn dir an!

Ich: Was hat dieser See mit mir zu tun?

Pluto: Es ist der See deiner Enttäuschungen, deines Anhaftens, deiner Unfreiheit. Er ist entstanden aus den Tränen der Entbehrung, des Nicht-Verstanden-Worden-Seins und der gnadenlosen Einsamkeit vieler Leben, in die du meintest, nicht hinein zu passen. Schau hinein, was siehst du?

Entsetzt schaute ich auf die trübe Oberfläche des Wassers. Am Rande des Sees trieg eine glitschige Masse, so dass ich das Wasser nicht einmal erkennen konnte.

Ich: Ich kann nichts erkennen. Es ist alles trüb und grau.

Pluto: Spring!

Ich: Was? Ich soll da rein springen?

Pluto: Es ist dein Schnodder. Spring!

Sie zog das Tuch von ihrem schwarzen Gesicht und ich sah den unnachgiebigen, fast bedrohlichen Ausdruck darin. Ihre schwarzen Augen blickten den Tod auf mich herab. Es gab keine Wahl! Was sie verlangte, hatte ich zu tun, ob ich nun wollte oder nicht. So war es immer gewesen, auch in den Zeiten, in denen ich sie in meiner inneren Welt noch nicht kennen gelernt hatte. Ich kannte diese Unnachgiebigkeit, dieses Trotz dem nur zu gut! Ich wusste, wie es sich anfühlt, Tabus zu brechen und schreckliche Geheimnisse zu lüften, Dinge zu tun, die man nicht tut, die aber getan werden müssen um der Wahrheit Willen. Und ich wusste, wie es ist, dem Tod ins Auge zu sehen und in seiner Tiefe zu ertrinken. Sie forderte ihn immer, diesen Tod, vor dem es kein Entrinnen gibt. Und jetzt war es auch so und so würde es immer sein. Das ist ein synergetisches Gesetz! Es ist das Gesetz des Lebendigen.

Ich ekelte mich vor diesem schmutzigen Wasser und sie sah mich finster und fordernd an. Da wusste ich, dass ich zu springen hatte. Ich sprang!

/p/p

Getrennt von uns selbst – Sexuelle Gewalterfahrungen in der Kindheit. Einsichten und Heilung

getrenntGetrennt von uns selbst. Sexuelle Gewalterfahrungen in der Kindheit. Einsichten und Heilung,

erschienen unter dem ehemaligen Namen Pilgram, Marina

Focus Verlag Gießen 2000, 2002 ISBN 3-88349-483-6

Paperback 238 Seiten

18,- Euro

Heilung bedeutet, den Weg der Gewalt zu verlassen und damit den Kreislauf von Gewalt für immer zu beenden. Es bedeutet, sich der eigenen Größe bewusst zu werden und die eigenen Kraftquellen in sich zu entdecken und zu entfalten. Es bedeutet, sich auf den Weg zu sich selbst zu machen und sich damit die größte Chance für ein erfülltes und reiches Leben zu geben.

nachfolgend ein Textauszug Buch S. 9-14

Vorwort zur zweiten Auflage

Die Notwendigkeit, sich den weiblichen Kräften zu öffnen und sie mit aller Eigenverantwortlichkeit in die Welt zu tragen, ist heute wichtiger denn je. Die Überbewertung männlicher Wertmaßstäbe und Normierungen hat dazu geführt, dass wir uns heute in einer weltweiten Krise befinden, die so tiefgreifend und vielschichtig ist, dass sie in allen Bereichen unseres Lebens
präsent ist.

(Die Bezeichnungen weiblich und männlich bedürfen an dieser Stelle einer Erläuterung: Sie beziehen sich nicht im biologistischen Sinne auf die Geschlechterproblematik. Das Verhältnis zwischen Frauen und Männern verstehe ich lediglich als eine der Auswirkungen jener energetischen Prozesse, die sich seit mehreren Jahrtausenden im Bewusstsein des abendländischen Menschen vollziehen und die zur Ausbildung patriarchaler Herrschaftsstrukturen geführt haben. In dem Sinne ist auch die patriarchale Struktur lediglich eine Auswirkung, nicht aber die eigentliche Ursache aller heute erkennbaren Konsequenzen dieser Bewusstseinsstruktur.
Die Problematik der beiden Begriffe weiblich und männlich ergibt sich durch die mit ihnen verbundenen überkommenen Wertekategorien, welche dem Weiblichen diejenigen Eigenschaften zubilligen, die für minder wert und negativ gehalten werden und umgekehrt den männlichen Eigenschaften einen grundlegenden Vorzug einräumen. Weiblich und männlich stehen hier vielmehr für energetische Begebenheiten und Zustände, anhand derer Harmonien und Disharmonien erkennbar werden. Sie stehen für Yin und Yang, jene so in China bezeichneten unterschiedlichen energetischen Zustände, die in ihrem
Zusammenwirken die Lebenskraft (Chi) bedingen. In jedem Menschen sind Weibliches (Yin) und Männliches (Yang) gleichermaßen vorhanden. Ein harmonischer Zustand ist dann, wenn beide Energieformen im Gleichgewicht sind. Dann, wenn sie miteinander harmonieren, sich gegenseitig ergänzen und durchdringen, ist ein Zustand guter Gesundheit
und höchsten Wohlbefindens erreicht.)

Gleichzeitig neben den verheerenden Auswirkungen dieser Krise wird eine Veränderung in der Denk- und Handlungsweise der Menschen zunehmend spürbar. Es treten vermehrt Kräfte in Erscheinung, die das überkommene System männlich dominierten Denkens und Handelns durchbrechen und zu einem ganzheitlichen Verständnis des Lebens auf der Erde überleiten. Die Voraussetzung hierfür ist eine veränderte Wahrnehmungsweise, anhand der es möglich wird, Einzelphänomene in einem größeren Zusammenhang zu erkennen.
Der Ausbruch aus dem überkommenen Denken, welches von Fortschrittsglauben, rationaler Überbewertung und dem Verhaftetsein in einseitigen und sektorierenden Perspektiven geprägt ist, wird bereits von vielen vollzogen. Damit verbunden ist die Abkehr von fremdbestimmten Wertvorstellungen und überkommenen Denk- und Handlungsgewohnheiten mit dem Ziel zu einem authentischen, lebensbezogenen und ganzheitlich ausgerichteten Wahrnehmen und Handeln zu kommen, das neben den mentalen auch die vitalen, körperlichen, emotionalen und geistigen Kräfte unseres Daseins bewusst ins Leben integriert. Durch eine derart veränderte Sichtweise treten ethische Werte von Menschlichkeit und Gemeinschaft
anstelle moralischer Urteile, Kooperation anstelle von Konkurrenz und Machtkampf in den Vordergrund. Diese Veränderungen beschreiben den gegenwärtigen Wandel unseres Bewusstseins, der sich für diejenigen, die ihn vollziehen, heilsam auswirkt.
Es ist ein Wandel, der sich auf allen Ebenen unseres Lebens bemerkbar macht. Er greift ein in intellektuelle, emotionale, ethische und spirituelle Dimensionen. Was sich bislang abzeichnet, ist die Tendenz, sich kritisch mit den bislang noch wirksamen männlich dominanten Wertekategorien des überkommenen Bewusstseins auseinander zusetzen und zwar in einer Art und Weise, die das eigene Selbst mit einbezieht. Diese Vorgehensweise beinhaltet die Wahrnehmung eigener individueller Strukturen und ihre Analyse, besonders im Hinblick auf überkommene Muster, und es beinhaltet die Wandlung dieser Strukturen.
Für Frauen mit sexuellen Gewalterfahrungen steht diese Auseinandersetzung in einer sehr konkreten und intensiven Art und Weise an. Denn die sexuelle Gewalt ist eine der sichtbarsten und zerstörerischsten Auswirkungen der überkommenen Struktur. Sexuelle Gewalt ist die deutlichste Form patriarchaler Gewalt, da sich in ihr die stringente Ablehnung und Abspaltung des Weiblichen in einer sehr konkreten Weise manifestiert.
Sexuelle Gewalt ist die projektive Manifestation der individuellen und kollektiven energetischen Situation unserer gegenwärtigen Zeit. Für Frauen, die sexuelle Gewalt an Leib und Seele erfahren haben, sind deshalb die Aussichten, heilsame Lebenskonzepte für sich selbst, aber auch ein ganzheitliches Verständnis für den momentanen energetischen Wechsel in ein erweitertes Bewusstsein zu entwickeln, meines Erachtens besonders gut.
Der Zerfall der patriarchalen Struktur, der sich momentan überall abzeichnet, ist die Voraussetzung für den Einstieg in dieses erweiterte Bewusstsein. Eine derjenigen Kräfte, die verstärkt dazu beigetragen haben, ein Bewusstsein für die Einseitigkeit der patriarchalen Struktur zu entwickeln und auf ihre Gefahren hinzuweisen, ist die Frauenbewegung.
In den achtziger Jahren verfolgte sie hauptsächlich den Kampf gegen die Auswirkungen des Patriarchats, unter der weibliche Menschen seit mehrerenJahrtausenden unterdrückt, ausgebeutet und fremdbestimmt sind. Es ist ihr gelungen, das Unzulängliche, Ungute und Zerstörerische dieser Struktur aufzuzeigen und ihre Lehren und Wertmaßstäbe, ihre Moral und
das als Naturgesetz konstatierte Geschlechterverhältnis, in dem die Frau – oder das Weibliche an sich – als minderwertig beschrieben wird, zu verwerfen.
Insbesondere das Ausmaß an sexueller Gewalt gegen Mädchen und Frauen wurde zum Anlass, die lange unterdrückten Aggressionen von Frauen zum Ausdruck zu bringen und nach Strategien zur Veränderung patriarchaler Machtstrukturen zu suchen. Der aus dem ständig wachsenden Leidensdruck der Frauen resultierende Zorn war eine der sprengenden Kräfte,
welche die Fundamente des Patriarchats ins Wanken gebracht hat. Die Errungenschaften der Frauenbewegung sind heute nicht mehr wegzudenken.
Angefangen von Beratungsstellen für Opfer von politischer und sexueller Gewalt, Schutzhäusern und Aufenthaltsorten für Mädchen und Frauen, die durch Gewalt und Ausbeutung bedroht sind, über Beratungsstellen zu gynäkologischen Fragen, bis hin zu Quotenregelung und gesetzlichen Änderungen zugunsten von Frauen. Wenngleich diese Veränderungen
noch lange nicht den nötigen Standart erreicht haben und in vielerlei Hinsicht mittlerweile wieder rückläufig sind, so haben sie doch das allgemeine Bewusstsein für die Geschlechterproblematik verschärft und Frauen stehen heute mit weitaus mehr Selbstbewusstsein im Leben als noch vor 20 Jahren.
Die patriarchale Struktur ist damit keineswegs überwunden. Sie hat sich invielen Bereichen sogar noch erheblich verschärft. ( Beispiele dafür sind etwa die zunehmende Ausbeutung von Mädchen und Frauen im Zusammenhang mit dem internationalen organisierten Verbrechen, die Zunahme von Prostitution und sexueller Ausbeutung, sowie das vermehrte Festhalten an frauenfeindlichen Traditionen, die sich in vielen Ländern der Welt als Abgrenzung gegen die westliche Überfremdung abzeichnet – wie etwa die sexuellen Verstümmelungspraktiken an Mädchen und Frauen in weiten Teilen Afrikas oder die Festigung muslimischer Tradition, die für Frauen das Tragen des Tschadors vorsieht.)

Denn angesichts ihrer immer deutlicher werdenden Einseitigkeit und Maßlosigkeit und der Gefahren, die daraus für das Leben auf der Erde entstehen, und angesichts des immer deutlicher werdenden Wachsens einer neuen erweiterten
Bewusstseinsstruktur der Menschen muss sie, um sich selbst gerecht zu werden, ihre letzten Reserven und Potentiale aufbieten, um sich am Leben zu erhalten. Sie kämpft um den Erhalt jener Bedingungen, unter denen „alles machbar“ scheint, unter denen der Mensch als „Krone der Schöpfung“ alles unter Kontrolle zu haben glaubt. Eine Folge dieses stringenten Festhaltens an der überkommenen Struktur ist die Verschärfung ihrer Mittel und Strategien. Jedoch wirken sich diese nicht
stabilisierend aus, sondern sind als Anzeichen des bereits begonnenen Zerfalls zu verstehen.
Entgegen der Ablehnung und dem Widerstand gesellschaftlicher Institutionen, überkommener Wahrnehmungsgewohnheiten und Wertekategorien hat sich die Frauenbewegung der achtziger Jahre von den ausbrechenden emotionalen Energien der Frauen leiten lassen und rief damit in der Öffentlichkeit eine große Betroffenheit hervor. Dies war nötig um das Ausmaß sexueller Gewalt in der Gesellschaft aufzuzeigen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen. Alte Tabus wurden gebrochen, neue traten auf den Plan. (So herrschte etwa Anfang der achtziger Jahre die Meinung, Frauen könnten von sich aus nicht zu Täterinnen werden und wenn doch, so seien sie entweder von Männern dazu gezwungen worden oder litten selbst an den Folgen eigener sexueller Gewalterlebnisse. Diese Meinung speiste sich nicht allein durch die große Masse von bekannt werdenden weiblichen Opfern, die durch Männer sexuelle Gewalt erlitten hatten, sondern auch durch die Annahme einer potentiellen weiblichen Opferschaft und männlichen Täterschaft. Auch die Tatsache,
dass die körperliche Kindesmisshandlung ohne sexuellen Hintergrund hauptsächlich von Frauen ausgeübt wird, konnte an dieser Annahme nichts ändern. Bedingt durch dieses Tabu wurden Fälle, in denen Frauen sexuelle Gewalt ausgeübt hatten, erst sehr zögerlich bekannt.
Beispiele wie dieses verweisen deutlich auf die Notwendigkeit, sich tiefer mit der Thematik auseinander zusetzen; sie verweisen auch auf die Notwendigkeit, die Strukturen, aus denen sich die Dynamik von Opferschaft und Täterschaft bilden, zu erfassen.

Die Ausrichtung der hervorbrechenden Energien der Frauen verlief in zwei Richtungen, nach Innen und nach Außen. Dem nach Außen drängenden Aktionismus und dem Willen, die bestehende Ordnung zu verändern, stand die Auseinandersetzung mit dem eigenen Inneren gegenüber, welches bereits klar auch in seiner Beziehung zu gesellschaftlichen Strukturen gesehen und erfasst wurde. Entsprechend der jeweiligen Ausrichtung nach Innen oder nach Außen wechselte die Tendenz, sich urückzuziehen und abzuschotten oder öffentlich zu agieren und Strategien zur allgemeinen Bewältigung und Veränderung der Situation zu erarbeiten. Diese Vorgehensweise war noch weitgehend in den überkommenen Mustern rationaler Mentalität verhaftet, der es zu eigen ist, durch Konkurrenz und Kampf Veränderungen zu bewirken und in diesem Sinne nicht
gänzlichend, sondern zerteilend und spaltend zu wirken. Die Wende zu einem neuen, erweiterten Ansatz trat jedoch in dem Bemühen zutage, in die Analyse gesellschaftlicher Bedingungen und Erscheinungsweisen das eigene Selbst mit einzubeziehen. (Einen Leitfaden zur feministischen Bildungsarbeit im Kontext eines Selbsterfahrungs- und Selbsterkenntnisprozesses mit dem Ziel, dualistische Wahrnehmungs-, Erkenntnis- und Interpretationsweisen zu überwinden, entwickelt Silvia Kolk in ihrem Buch: Von der Selbsterfahrung über die Selbsterkenntnis zur Einsicht –Ein Befreiungsweg im Kontext feministischer Bildungsarbeit. Bielefeld 1994)

Gegenwärtig werden die tieferen Schichten der Geschlechterproblematik immer deutlicher. Es geht nicht mehr allein um die Beseitigung patriarchaler Herrschaftsstrukturen nach konventionellen Mitteln, die – wenn sie nicht in ihrer sie konstituierenden Struktur erkannt werden – die Dynamik von Opferschaft und Täterschaft wiederholen und in dem unsäglichen Kampf zwischen Frauen und Männern stecken bleiben, der im Kleinen wie im Großen stets nur die Oberfläche dessen berührt, was unser aller Dilemma ist. Gesellschaftliche Analysen und politische Interventionen, sind nach wie vor wichtig und notwendig. Worauf es aber vor allem ankommt, ist die Wahrnehmung derjenigen Muster, die der geistigen
Struktur des Patriarchalen zugrunde liegen und deren Veränderung.
Die eigenen, verinnerlichten Strukturen männlich dominanter Kräfte, welche immer ein Äquivalent zu den kollektiven Strukturen darstellen, zu erkennen und sie nachhaltig zu verändern, gehört zur Aufgabe der Stunde. Was wir empfinden, fühlen und denken, steht immer in Beziehung zu dem, was wir erlebt haben und erleben, was also von außen an uns heran
getragen wird, und es ist stets mit unseren Handlungen auf das Engste verbunden. Denn wir selbst sind ein Teil des Systems, in dem wir leben und wir stellen deshalb als Teil des Gesamten auch immer das Ganze dar. So wie in jeder einzelnen Zelle unseres Körpers jeweils das gesamte Erbgut enthalten ist, ist auch in jedem einzelnen Menschen die Gesamtheit enthalten. Getrennt von uns selbst heißt deshalb auch immer getrennt vom Ganzen zu sein. Diese Wahrnehmungsweise ist neu, da sich in ihr das Zusammenspiel vieler Ebenen manifestiert. Die Annäherung an diese neue Betrachtungsweise erkennt Ereignisse nicht mehr als Einzelphänomene in einem zeitlich und räumlich begrenzten Kontinuum, sondern als wechselwirksame Verbindungen, in denen sich die einzelnen Ereignisse gegenseitig durchdringen. (Ein Beispiel im konkreten Missbrauchsumfeld ist die Tatsache, dass die Opferstruktur bei Betroffenen nicht unbedingt durch die zeitliche und räumliche Anwesenheit der Täter zum Ausdruck kommt, sondern dass sie ein grundlegendes Muster ist, welches sich in allen
Lebensbereichen der Betroffenen nachhaltig schädigend auswirkt.)

Ich versuche in diesem Buch die Ansätze der neuen Denk- und Wahrnehmungsweise betroffenen Frauen nahe zu bringen, weil ich davon überzeugt bin, dass Frauen, die schwere Traumata erlitten haben, von diesen nur dann völlig genesen können, wenn sie sich einer erweiterten Wahrnehmung ihrer Wirklichkeit öffnen. Hierzu gehört es, sich mit den dem Trauma
zugrundeliegenden Mustern auseinander zusetzen und sich über das persönliche Dilemma hinaus auch gleichzeitig die interaktionären Muster zu anderen Menschen und zur Welt zu erschließen. Sexuelle Gewalt erfüllt eine ganz bestimmte Funktion, sie verstehbar zu machen, und zwar aus dem Blickwinkel der Endzeit des Patriarchats, ist mein Wunsch.
Die Erfahrung, wie Körper, Seele und Geist zusammenwirken, dass sie ein energetisches System bilden, welches sich uns mit zunehmender Bewusstheit immer mehr offenbart, stellt deshalb den notwendigen Hintergrund im Heilungsgeschehen dar. Der Weg der Heilung führt über die Erkenntnis der eigenen inneren Muster, die sich aufgrund der Verinnerlichung männlich-
dominanter Lebensprinzipien in uns manifestiert haben und die die Unterdrückung und Abspaltung weiblicher Kräfte in uns bewirken.
Heilung ist die Überwindung dieser Muster und die Integration der weiblichen Wesenskräfte in die Gesamtpersönlichkeit. Heilung ist, wenn Weibliches und Männliches, Yin und Yang, gleichzeitig neben- und miteinander wirken. Heilung ist heil werden, ganz werden; es ist die Überwindung des Getrenntseins von uns selbst und dem ganzen Kosmos.

Die Bewusstseinsstufen nach Jean Gebser

Die Bewusstseinsstufen nach Jean Gebser

… hier ein Ausschnitt aus meinem Buch Wahre Schönheit kommt von innen. Bewusstsein und Tiefe im Synergetischen Heilen. Bd. II, Bernd Joschko Verlag 2006. S. 126-130:

In diesem Hauptwerk Ursprung und Gegenwart entfaltet Jean Gebser eine Gesamtschau der abendländischen Bewusstseinsgeschichte in fünf großen Stufen aus der Perspektive des gegenwärtig sich vollziehenden Bewusstseinswandels und mit Ausblick auf ein kommendes Bewusstsein, welches sich bereits seit langem ankündigt und das alle bisherigen Stufen umfasst: das integrale Bewusstsein.
Vom verborgenen Ursprung ausgehend, der durch alle Stufen hindurch scheint, und in dem bereits alle Entfaltung, alles Wachstum und alle Entwicklung beschlossen liegt, beschreibt er die archaische, die magische, die mythische und die mentale Struktur und schließlich diejenige, sich momentan entfaltende integrale Struktur.

In eindrucksvollen Beispielen aus Geschichte, Philosophie, Naturwissenschaften, Religion und Mythos, Kunst und Literatur, vermag er Licht in das Chaos der Informationen aus Jahrtausenden zu bringen, indem er die Struktur des geistigen Hintergrundes jener Existenzstufen der Menschheitsentwicklung beschreibt.
Diese fünf Stufen, welche die Menschheit im Laufe ihrer Evolution durchlaufen hat, konstituieren auch jeden einzelnen Menschen und werden im Verlauf jeder einzelnen menschlichen Existenz durchlaufen.

Die archaische Struktur

Die archaische Struktur können wir uns als eine Art paradiesischen Zustand vorstellen, in dem der Mensch noch identisch ist mit dem Sein. Er ist noch im Einklang mit dem All, und Innen und Außen sind noch ungeschieden. Vielleicht können wir uns die archaische Struktur so vorstellen wie den Zustand im Mutterleib. Diese Struktur ist dem Ursprung am nächsten. Gebser beschreibt sie als nulldimensional.

Die magische Struktur

Aus diesem Bewusstseinszustand heraus mutiert die magische Struktur, in der das Handeln und Machen bedeutend wird (Magie). Sie bezeichnet einen Zustand des in sich selbst Ruhens. Die Welt ist noch schemenhaft wie bei einem Säugling. In dieser Struktur entfaltet sich ein vitales triebhaftes noch Ich-loses Bewusstsein und bindet den Menschen in die Blutsverwandtschaft einer Sippe, mit der er telepathisch kommuniziert. Sprache ist noch nicht wichtig, vielmehr steht das Hören im Vordergrund. Der Mensch beginnt zu wollen und er lauscht der Natur ihre Geheimnisse ab. Die ersten Werkzeuge entstehen und er bemächtigt sich der Natur und ihren Gesetzen durch Rituale, um sich der Außenwelt bewusst zu werden. Gebser beschreibt diese vorwiegend männlich dominante Struktur als eindimensional und gibt ihr als Zeichen den Punkt.

Die mythische Struktur

Aus der magischen mutiert die vorwiegend weiblich dominante mythische Bewusstseinsstruktur, die den Menschen zur Bewusstwerdung seiner Innenwelt führt. Die mythische Struktur, die Gebser als zweidimensional bezeichnet, und der er das Symbol des Kreises zuordnet, lässt dem Menschen erstmals die Zeit zu Bewusstsein kommen, nämlich die ständig kreisende Naturzeit, die ihm durch den Kreislauf der Gestirne und Jahreszeiten bewusst wird. Der mythische Kreis umfasst die Polaritäten und gleicht sie aus. Weiblich und männlich, Tag und Nacht, Leben und Tod, gehören untrennbar zusammen und bilden die Pole der psychischen Erfahrungswelt des Menschen.
Horchte der magische Mensch in die Außenwelt, so lauscht der mythische Mensch in die Innenwelt, um seine Seele zu erfahren. Und so wie sich der Tag in der Nacht spiegelt, das Männliche im Weiblichen und umgekehrt, so spiegelt sich auch das wortlose Lauschen im tönenden Wort des aussagenden Mythos. Das innen Gehörte und Geschaute wird im Außen hörbar und sichtbar im erzählten und gesprochenen Mythos.
Die mythische Welt ist die Welt der Großen Mutter, aus der alles hervor geht, und in die alles wieder eingeht, um von neuem daraus hervor zu gehen. Diese Welt ist jene, die uns, wenn auch verdeckt, noch aus den Märchen aufscheint und in die wir in unseren Träumen hinabsinken. Es ist jene Welt, in der wir als Kinder zu Hause waren, in der es die Feen noch wirklich gibt und in der uns die Engel begleiten. Es ist die Welt der Göttinnen und Götter, aber auch diejenige der Dämonen und Geister. Es ist die Welt der Bilder und Symbole, in denen sich die Psyche ausdrückt, und die auch im Synergetischen Heilen sehr häufig in Erscheinung tritt.

Die mentale Struktur

Die mythische Welt ist der geistige Hintergrund, das Fundament der aus ihr mutierenden männlich dominanten mentalen Bewusstseinsstufe. Gebser bezeichnet sie als dreidimensional, und gibt ihr als Symbol das Dreieck. Ihre Aufgabe ist die Bewusstwerdung des Raumes, den der Mensch durch die Entdeckung der Perspektive in die sichtbare Darstellung zu bringen vermag.
Hatte sich der mythische Mensch seiner Innenwelt zugewendet, so wendet sich der mentale Mensch nun wieder der Außenwelt zu. Er emanzipiert sich aus der mythischen Gemeinschaft und entdeckt sein Ego als Träger seiner ganz individuellen Handlungskompetenz, die er nun strebend und erobernd in die Welt trägt, um dieser habhaft zu werden. Es ist die Welt des Raumes, die er nun erforscht und analysiert. Die Wissenschaften entstehen und die Gesetzmäßigkeiten der Natur werden erforscht.
Statt der einstigen gänzlichenden Polarität der mythischen Struktur, die in einem Sowohl-Als-Auch den Ausgleich und die Ergänzung der Gegensätze gefunden hatte, tritt in der mentalen Welt ein dualistisches Entweder-Oder in den Vordergrund. Die Dinge und die Welt werden bewertet, gerichtet und bemessen. Nicht die allumfassende Seele, nicht die fühlende, empfindende Psyche und das Miteinander menschlicher Gemeinschaft bestimmen das Leben des mentalen Menschen, sondern das Bewusstsein der Vereinzelung. Statt dem mythischen Imaginieren stehen jetzt Denken und Vorstellen im Vordergrund. Maß und Masse werden bestimmend, Gesetze entstehen, und alle Dinge werden bewertet. Was einst polar-gänzlichend war, zerfällt in der mentalen Welt in streng voneinander getrennte und nicht vereinbare Gegensätze.
Das mentale Bewusstsein ist jenes, das uns wohl am vertrautesten ist. In seiner momentan rückläufigen Phase, die Gebser auch als das rationale Bewusstsein bezeichnet, sorgt es gegenwärtig für ziemlich viel Chaos. Ein Chaos, aus dem sich spürbar und immer deutlicher erkennbar jene neue Mutation entfaltet, die Gebser als das integrale Bewusstsein beschrieben hat.

Die integrale Struktur

Die integrale Struktur entfaltet sich als Durchsichtig-Werden aller bislang mutierten Stufen der geistigen Entfaltung des Menschen. Sie ist nicht als Bewusstseinserweiterung zu verstehen, da eine Erweiterung lediglich eine Erweiterung des Mentalen im Sinne einer Räumlichung bedeuten würde. Der Raum aber ist im Integrat überwunden! Die integrale Stufe stellt vielmehr eine Intensivierung des Bewusstseins im Sinne einer geistigen Wachheit und Klarheit dar, die sich als Wahrnehmen und Wahrgeben des Ganzen zu erkennen gibt.

Durch die synergetische bzw. psychobionische Methode werden die einzelnen von Gebser beschriebenen Mutationen der geistigen Entfaltung des Menschen offenkundig. Da die einzelnen evolutionären Stufen in jedem Menschen präsent sind, öffnen sich uns die verschiedenen Welten über die mythische und magische bis hinab in die archaische Struktur in der Innenwelt. Sie sind hier sogar direkt erlebbar und erfahrbar für uns, so dass wir ihren Charakter erkennen und in unser Bewusstsein integrieren können.
Diese Integration geschieht durch die jeweils momentan wirkende Bewusstseinsstufe, die in der Lage ist, alle ihr inhärenten Stufen als Teile mit unterschiedlichen Ausrichtungen und Eigenschaften zu erkennen. Und diese Erkenntnis erschließt sich uns als eigene Tiefe.
In diesem Sinne steht uns das synergetische bzw. psychobionische Heilen als eine der effektivsten Möglichkeiten zur Verwirklichung des integralen Bewusstseins zur Verfügung.